das klassische Davoser Halo-Phänomen
the typical halo phenomenon of Davos
Der Winterhimmel über Davos erzählt viel...

Die Grundstruktur des Spektakels ist folgende:
Zuerst bilden sich Plättchen, diese wachsen zu Säulchen heran, die sich später in der Lage beruhigen.

In Halos übersetzt heisst das:
  • Plättchen = Nebensonnen, Zirkumzenitalbogen
  • Säulchen = Supra- und Infralateralbögen, Obere und Untere Berührungsbögen
  • Ruhig schwebende Säulchen = Parrybogen, Sonnenbögen, Parry Lateralbogen (Tape-Bögen)
  • Wenn die Plättchen sich zu Säulchen verdicken, taumeln sie = Lowitzbögen

    Wir können also mit folgendem Ablauf rechnen:
  • Fulminanter Start mit dem farbenprächtigen Zirkumzenitalbogen
  • Langsam kommen Berührungsbögen und Lateralbögen dazu, der obere Berührungsbogen zunächst noch schmal
  • Auf dem Höhepunkt beim Übergang von Plättchen zu Säulchen achten wir auf die Lowitzbögen (taumelnde Kristalle!!)
  • Zirkumzenitalbogen und Nebensonnen verblassen, dafür blüht der Obere Berührungsbogen auf: seine Flügel wachsen
  • Die Pracht lässt nach, die stille Schönheit der Geometrie dominiert: der Parrybogen kommt dazu
  • In besonders dichten Eisnebeln kommen jetzt noch die Sonnenbögen dazu

    Verfolgen wir anhand des Halogeschehens vom 22.11.2013 in Davos dieses Szenario:
    Die folgenden Bilder sind chronologisch angeordnet; durch Anklicken sehen Sie die grosse Version:

    10:57 der erste zu sehende Halo war der ZZB
    10:58 dann konnte man auch schwach schon den OBB erkennen
    10:58 es ging recht schnell, weil die Sonne langsam hinter dem Berg hoch kam und immer tiefer in den Eisnebel hinein leuchtete
    11:01 in etwa der Höhepunkt, der Supralaterlabogen ist gut sichtbar (Aufnahme mit Panoramakamera mit anderem Weissabgleich). Die hohen Halos variieren sehr schnell je nach den Eisnebelschwaden, die gerade durch Davos ziehen. Hier ist der SLB links zu sehen, im Bild darüber eher rechts.
    11:03 Voll ausgebildeter Halokomplex, von oben nach unten:
  • ZZB Zirkumzenitalbogen
  • SLB Supralateralbogen
  • Oberer Berührungsbogen
  • 22°-Kreis
  • Lichtsäule
    Doch hier fällt unser Auge auf die
  • rechte Nebensonne
    von der geht ein Bogen direkt nach oben:
  • mittlerer Lowitzbogen
  • 11:03 eine weitere Gesamtansicht des Brämabüels
    11:03 Das Blau-minus-Rot-Bild zeigt schön den mittleren Lowitzbogen rechts
    11:04 Zu dieser Zeit reichte der Supralateralbogen links am weitesten herunter
    Die Sonne schlug jedoch unerbittlich zu und löste die Schönheit der Eiswolken am Brämabüel innert kürzester Zeit auf - der Himmel wurde strahlend blau... Jedoch lag südwestlich von Davos noch ein Boden-Eisnebel am Ende des Sertigtales, den wir jetzt aufsuchen
    11:21 Auch hier wütete die Sonne schon, aber die Nebensonne war noch beeindruckend. Den hohen Plättchen-Anteil (Nebensonne) kann ich nicht erklären, aber ich habe schon öfter in diesem Boden-Eisnebel andere Halos gesehen als in den Eiswolken am Brämabüel.
    11:22 Von der Strasse abgebogen und in die Eisnebelreste hineingefahren sehe ich noch die Reste von OBB und Parrybogen
    11:24 Wieder zurück nach Davos sehen wir hier eine von den Schneekanonen der Parsenn induzierte Eiswolke. Die Parsenn liegt dem Brämabüel (obere Bilder direkt gegenüber). Eiswolken sind unglaublich filigran - je nach Witterung können sich auf einer Talseite auflösen und auf der anderen verstärken. Sie sind eher das Gegenteil einer stabilen Nebeldecke...
    13:05 Hier die Schneekanonen am Brämabüel in Aktion
    13:05 Aber nicht diese, sondern die Parsenn-Schneekanonen (siehe zwei Bilder weiter oben) liessen dann den Oberen Berührungsbogen wieder erscheinen - viel breiter als zwei Stunden früher und mit weiter herunterhängenden Schwingen
    13:06 Von Plättchen ist fast nichts mehr zu sehen, wir haben einen reifen OBB vor uns: Säulchenkristalle
    13:06 Im Blau-minus-Rot-Bild ist auch der SLB klar nachgewiesen
    13:09 Durch einen grossen Glücksfall stehen die Sonne und die sich bis zur Schatzalp ausdehnenden Parsenn-Eiswolken genau in dem Winkel zueinander, dass ein weiterer Säulchen-Halo sichtbar wird: der Infralateralbogen
    13:15 Er war für etwa eine halbe Stunde gut zu sehen. Mit seiner Krümmung, seiner Position und der passenden Farbfolge wirkte er wirklich wie ein Regenbogen - nur an völlig falscher Stelle querab zur Sonne...
    13:15 (etwas farbverstärkt)
    Per Zufall waren genau zu dieser Zeit in genau dieser Wolke zwei weitere Kameras aktiv, die von Marcia Phillips vom SLF (Schweizer Lawinenforschungsinstitut), die sich gerade auf der Schatzalp befand, mitten in der Wolke, und die automatische Webcam auf der Strelaalp, wenige 100 Meter neben der Schatzalp, die alle Stunde ein Bild abspeichert. Bei so einem intensiven Infralateralbogen ist auch ein passender Unterer Berührungsbogen zu erwarten.
    Unterer Berührungsbogen (Aufnahme © Marcia Phillips)
    Unterer Berührungsbogen, links auch ein Stück Infralateralbogen (Aufnahme © Pius App). Dieser Untere Berührungsbogen ist wirklich ausserordentlich hell.