wie kommen die Löcher in die Zähne?
oder besser gefragt: woher kommen die Zähne?

Abbildungen:
- aus dem hervorragenden (!) Buch "Ursprünge des Lebens" von David Norman. (© Bertelsmannverlag)
- eigene Fotos (© B. Radelow)
Das Leben entstand vor über 500 Mio. Jahren im Meer in einem Zeitalter namens Kambrium. Die ersten Tiere hatten statt eines Mundes eigentlich nur ein Loch wie dieser 3 cm grosse Microdictyon. Bemerkenswert ist, wie schon so früh zuerst Hilfsarme entstanden, die die Nahrung zum Mundloch beförderten
Zur gleichen Zeit entstand das erste Tier mit speziellen Mundwerkzeugen: Aysheaia (2-3 cm) hatte um das Mundloch Stacheln, mit denen es seine Nahrung (Schwämme) zerrieb.
Es ist kaum zu glauben, was für phantasievolle Experimente die Natur damals unternahm, um die Nahrungsaufnahme zu optimieren. Hier ein fünfäugiges Tier mit Greifmund: Opabinia war ein 8 cm grosser Raubwurm.
Immer noch im Kambrium vor einer halbe Milliarde Jahren erschien dann das erste Tier mit einem eigenen Kiefer: Anomalocaris war ein bis zu 60 cm grosser Räuber.


Vor 400 Mio. Jahren gab es bereits Knochenfische in vielen Variationen. Der grausigste von ihnen war der bis zu 10 Meter (!) lange Dunkleosteus, der sich hier von 2 Meter langen frühen Haien ernährt.

Seine "Zähne" waren aber noch keine Zähne, sondern messerscharfe Knochenplatten, die wie Guillotinen arbeiteten.
Vor 360 Mio. Jahren wurde das Land erobert. Bereits frühe Tetrapoden (Amphibien) hatten Reihen von kegelförmigen Zähnen, die das lange Zeitalter der Pflanzenrupfer einleitete. Kauen konnte man damit nicht. Als Beispiel hier der aus Grönland stammende Acanthostega
Vor 210 Mio. Jahren sah es im Prinzip unverändert aus: Die Dinosaurier hatten - egal ob Fleisch- oder Pflanzenfresser - Reihen von kegelförmigen Zähnen. Als Beispiel hier der Pflanzenfresser Massospondylus
Vor 200 Mio. Jahren kam es zu einer technischen Revolution: Das Kauen wurde erfunden! Heterodontosaurus ist das älteste bekannte Tier mir speziell zum Kauen ausgeformten Backenzähnen.
Vor 100 Mio. Jahren hatten die Dinosaurier die Erde gründlich umgeformt: Sie hatten praktisch alle Wälder abgerupft; die Erde war mit grossen Savannen überzogen. Auf den freien Flächen entwickelten sich erstmals zweierlei Pflanzen:
  • Blumen
  • Gräser

  • Die Gräser waren wegen ihres harten Zellulosemantels für praktisch alle damaligen Tiere schwer- oder unverdaulich. Die Anpassung daran schafften als erste die Säugetiere, die damals bereits vorkamen, aber als unscheinbare rattengrosse Tiere kaum auffielen.

    Die Entwicklung zum heutigen Säugetiermund wurde aber noch einmal unterbrochen: Vor 65 Mio. Jahren starben die Dinosaurier nach einer Meteoriten-bedingten Klimakatastrophe aus.
    Die hinterlassenen Lücken wurden rasch von anderen Tieren aufgefüllt. In Amerika entwickelte sich als Raubtierersatz z.B. ein flugunfähiger Riesenvogel namens Diatryma mit drei Meter Höhe!
    In der weiteren Entwicklung passen sich die Säugetiere immer besser an die Nahrung an. Reine Pflanzenfresser wie z.B. Nagetiere entwickeln ewig nachwachsende Schneidezähne wie diese hier (von einem Murmeltier ).
    Allesfresser entwickelten Backenzähne mit gefalteter Oberfläche - und genau da beginnt unser menschliches Problem. Diese Oberflächen sind eigentlich so gedacht, dass sie durch Abrieb Mulden mit scharfen Graten bilden. Nur im Neuzustand sehen sie etwa so aus wie wir es von unseren eigenen Zähnen gewöhnt sind - hier ein noch ganz junger Höhlenbär-Backenzahn.
    An diesem Kuh-Backenzahn kann man den normalen "Betriebszustand" der Backenzähne sehen: stark abgewetzt.
    In unseren zivilisierten Zeiten kann man sich kaum vorstellen, dass unsere Zähne früher wohl auch so ausgesehen haben. Hier sehen Sie ein extrem seltenes Foto von einem 75-jährigen (in Mitteleuropa aufgewachsenen!) Mensch, der vorher noch nie in seinem Leben bei einem Zahnarzt war. So in etwa hätten früher unsere Zähne auch ausgesehen - wenn man davon absieht, dass wir nur geringe Chancen hatten auch nur halb so alt zu werden!