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K O R R O S I O N ![]() (Lochfrass an Seifenspender durch Spaltkorrosion) |
| Übersicht |
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| Vorwort |
Wohl über keinen anderen Themenkomplex in der Zahnmedizin gibt es dermassen viele Vorurteile wie über die korrosiven
Vorgänge im Mund. Im allgemeinen herrschen folgende Meinungen vor:
Anders als bei meinen anderen Web-Seiten, die nur eine Zusammenschau aktueller Forschungsberichte verschiedenster Autoren
darstellen, gebührt hier einem Mann ausserordentlicher Dank, der seit vielen Jahren unermüdlich auf diesem Gebiet forscht und vor allem
seine Forschungsergebnisse nicht an das öffentliche Wunschdenken anpasst. Dies ist heute ziemlich selten geworden. Kaum
jemand versucht wie er, dem Amalgam oder dem Palladium zugeschriebene schädliche Wirkungen akribisch zu analysieren und die
wahren Übeltäter zu finden.
Es hat einfach Hand und Fuss, wenn er als Nebenergebniss einer Untersuchung findet, dass Korrosionsprobleme mit Metall-Wurzelschrauben
und -stiften bei Aufbaufüllungen mit Amalgam etwa 10x weniger auftreten als bei Aufbauten aus anderen Zementen - was
ziemlich klar die Vorstellung von der "Batterie" durch zwei verschiedene Metalle über den Haufen wirft, was aber andererseits
heute keiner hören will (auch unsere Bundesregierung hat die Verwendung von Amalgam für Stumpfaufbauten ausdrücklich untersagt -
aus wissenschaftlicher Erkenntnis???). Die Erklärung ist übrigens einfach: Bei anderen Zementen treten 10x häufiger Spalten auf, was zu
Spaltkorrosion führt - Erklärung siehe unten. |
| Einleitung |
Meistens wird angenommen, zwei verschiedene Metalle im Mund würden zusammen mit dem Speichel eine "Batterie" bilden, durch die sich dann Metall-Ionen lösen, die widerum giftig wirken, vor allem Palladium- und Quecksilber-Ionen. Das ist erstaunlicherweise jedoch vollkommen falsch. Die dabei überhaupt entstehende Spannung (im Bereich unter 800 mV) ist zu gering, um galvanische Vorgänge im Mund auszulösen. In kleinsten Spalten, z.B. am Kronenrand in der Zahnfleischtasche, kann die Chemie jedoch dermassen aggressiv werden, dass selbst "hochgoldhaltige" Legierungen, die als das Beste in der Zahnmedizin gelten, mühelos durch Spaltkorrosion zerfressen werden - auch ohne das Mitwirken eines anderen "unedleren" Metalls. Die dabei freiwerdenden Metall-Ionen wirken unterschiedlich giftig, meistens sind es jedoch die Legierungszusätze, die schwere örtliche Gewebeschäden (Zahnfleischentzündungen, Knochenabbau) hervorrufen und weniger die Hauptbestandteile wie Palladium und Gold. |
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Die "Batterie" (Galvanisches Element) |
Wenn Sie zwei verschiedene Metalle im Mund haben, entsteht zwischen ihnen ein kleine Spannung, die zu einer ständigen
langsamen Auflösung führen würde. Wie kann dann überhaupt ein "unedles" Metall im Mund beständig bleiben, wenn z.B.
eine Goldkrone dazukommt? Die Erklärung liefert das
weitere Verhalten der Metalle im Mund: Sie "passivieren" sich, d.h. überziehen sich mit einer Oxid-Schicht (oder ähnlichem).
Dadurch verändert sich das Verhalten des unedlen Metalls und es wird elektro-chemisch/-physikalisch wie ein Edelmetall.
Die Passivierungsschicht ist sehr dünn, aber widerstandsfähig. Trotzdem ist es leicht möglich, sie mit den Messssonden eines
Spannungs-Messgerätes (oder eines speziellen "Potential"-Messgerätes) durchzukratzen und Ihnen "gefährliche" Spannungen
vorzuführen. Das ist m.E. Humbug und möglicherweise mehr eine "verkaufsfördernde" als eine echte diagnostische Massnahme.
Was passiert wirklich? Sowie der Kratzer im Amalgam sich selbst überlassen bleibt, passiviert er sich wieder... Sie kennen alle zwei alltägliche Beispiele für die oben erwähnten sehr beständigen Schutzschichten auf unedlen Metallen - Ihr Auto und Ihre Türgriffe:
Chrom - Chrom ist so "unedel", dass es sich an der Luft sofort mit einer dünnen Oxid-Schicht überzieht, so dünn,
dass sie durchsichtig ist. Beim Auftreten von Mikrorissen innerhalb der Chroms passiert nicht viel, die Schutzschicht ist
sozusagen "selbstheilend". Erst wenn ein Riss bis zum darunterliegenden Eisen reicht, kann diese trotzdem rosten, das Chrom blättert dann
ab. Verchromen im Mund wäre schön, leider sind Chrom-Ionen auch in kleinen Mengen giftig. Ein Beispiel für das "Versagen" einer
Verchromung finden Sie weiter unten unter "Beschichtungen".
Mir persönlich ist nur eine Situation im Mund bekannt, die mit galvanischen Strömen zu tun hat: Feingold gepaart mit alten sogenannten
Gamma-2-Amalgamen. Diese Amalgame, die heute praktisch nicht mehr verwendet werden und die in einigen Ländern (z.B. Österreich)
verboten worden sind, haben sich als nicht sehr korrosionsbeständig erwiesen. Aus ihnen löst sich vor allem - Zinn. Dieses Zinn schlägt
sich als schwarzer Film auf Goldkronen aus weichem hochkarätigen Goldblech nieder (sog. Ring-Deckel-Kronen wie sie früher gefertigt
wurden). Dieser schwarze Film kann problemlos wegpoliert werden - er ist kein Beweis für besondere Goldkorrosion oder
Quecksilberfreisetzung: Das Quecksilber bleibt in den Gamma-2-Amalgamen weiterhin enthalten. Seine nun prozentual ansteigende
Konzentration bewirkt, dass das Amalgam weicher wird und anfängt, sich an den Rändern hochzubiegen.
![]() Quelle: Dettlaff, Gesundheitliche Belastung durch dentale Metalle, DFZ 9/1997,52-66 Irrtümlich als "Goldkronen mit deutlichen Korrosionsspuren" beschrieben - ziemlich sicher handelt es sich jedoch um Zinnablagerungen (Pfeil) auf Goldkronen älterer Bauart |
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Das Lokal-Element |
Eine glatte, offen liegende Fläche einer korrosionsbeständigen Metall-Legierung ist im Mund praktisch unzerstörbar -
die sich bildende Passivierungsschicht verhindert den Austritt von Metall-Ionen aus der Oberfläche. Bei der Spaltkorrosion (oder "Lochfrass") kommt es zu Sauerstoffmangel in der Flüssigkeit in mikroskopisch kleinen Ritzen. Dadurch wird die Flüssigkeit im Spalt stark sauer. Die jetzt im Überschuss vorhandenen Wasserstoff-Ionen "bedienen" sich der Chlorid-Ionen aus dem Kochsalz (das im Organismus überall vorkommt) und bilden Salzsäure. Das Gleichgewicht zwischen Oxidation und Reduktion (vereinfacht: "Oxid-Auflösung") verschiebt sich stark zum letzteren hin, die Passivierungsschicht wird angegriffen und löst sich auf. (Zusätzlich entsteht eine elektrische Spannung zwischen der Glattfläche und der Oberfläche im Spalt - es bildet sich lokal (örtlich) ein Element (Batterie) mit nur einem Metall - daher der Name "Lokalelement").
Die Flüssigkeit im Spalt ist dermassen aggressiv, dass sie jede (auch die besten!) Goldlegierung angreift. Erstaunlicherweise sind
im Gegensatz dazu Titan und gut verarbeitete Kobalt-Basislegierungen so widerstandsfähig, dass sie auch keine Spaltkorrosion erleiden.
![]() Durch Korrosionsprodukte dunkel verfärbte Teleskopkronen aus hochwertiger Goldlegierung. Es gibt keine Teleskopkronen, die nach längerer Tragezeit innen noch glänzend golden aussehen! Quelle: Wirz, Schmidli, Jäger; Probleme mit Edelmetallegierungen, Quintessenz 48, 6, 827-837 (1997) |
| Beschichtungen |
Aus der Technik sind eine Reihe von Beschichtungen bekannt, die die Haltbarkeit von Werkstücken erheblich verlängern: Zunächst wurden Stahlprothesen vergoldet (selten auch Stahlkronen - heute vor allem in der "2½.ten" Welt: aufstrebenden Ländern wie z.B. Indien), speziell bei Allergikern. Damals hat man noch nicht geahnt, dass man damit (die Goldschicht bekommt Risse » Spaltkorrosion siehe oben!) die Korrosion und die Metallionen-Belastung für das Mundgewebe erst richtig ermöglicht! Nach heutigem Wissenstand ist das Vergolden von Zahnersatz nicht angebracht - vergessen Sie alle Ihre geheimen Wünsche ("... würde doch besser aussehen..."). Nach der "Entdeckung" des Titans für die Zahnmedizin wurde auch die bei Werkzeugen angewendete Titannitrid-Beschichtung im Mund erprobt: Leider ohne Erfolg. Im Gegenteil: Auch hier schafft man durch die rissige Schicht erst die Spalten, die die Korrosion von sonst fast unzerstörbaren Kobalt-Legierungen (fälschlich "Stahl" genannt - sie enthalten kein Eisen!) unabdingbar hervorrufen!
![]() Beschichtung und Kobalt-Legierung (Biosil F bzw. Biosil H), durch Lochfrass schwer beschädigt (Vergrösserung 700x). ![]() Korrosion unter TiN-Schicht: freigelegte Nickel-Basislegierung, deutlich unter den Rissen angegriffen (Vergrösserung 800x). Quelle: Wirz, Schmidli; Titannitridbeschichtung prothetischer Werkstücke, Quintessenz 47, 5, 681-691 (1996) Die durch die Korrosion verloren gehende Menge an Metall ist übrigens wahrhaft beachtlich: In einem dreimonatigen Thermozyklus (sozusagen verschärfte Versuchsbedingungen) verlor der Prüfkörper 2% seines Gewichts! Dem entspricht der rasante Eintritt der Patientenbeschwerden: starkes Brennen an Zunge und Schleimhaut nur einen Monat nach Eingliederung der Prothese.
Die Verchromung von Kronen ist leider keine Alternative, weil Chrom-Ionen ziemlich giftig sind.
![]() Mit Chrom beschichtetes Seifenspender-Röhrchen aus Messing. Schwere Spaltkorrosion nach 10 Jahren Benutzung mit hautfreundlicher Flüssigseife, manche Löcher gehen bis ins Innere. Ohne Chrombeschichtung wäre das Rohr vermutlich noch intakt (wenn auch unansehnlich) Die Verzinkung von Eisenblechen ist eine beabsichtigte "Opferung" eines unedlen Metalls, um ein anderes zu schützen. Es ist medizinisch nicht zulässig, z.B. Eisen-Kronen zu verzinken, wodurch sich grosse Mengen Zink im Mund lösen würden. Es gibt bis heute keine Beschichtung, die im Mund mehr nützt als schadet!!! |
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Auswirkungen der Korrosion |
In den Löchern der Spaltkorrosion wird die Legierung vollständig aufgelöst. Mit Mikroanalysen lässt sich nachweisen, dass die
Metallionen-Häufigkeit im angrenzenden Zahnfleisch von der Verteilung her genau der Legierung entspricht. Es ist also nicht so,
dass sich nur die "unedlen" Bestandteile lösen.
Die verschiedenen Metall-Ionen wirken höchst unterschiedlich. Bekannt ist die schädliche Wirkung von Nickel-Ionen.
Relativ schnell wurden auch Palladium-Basis-Legierungen als schädlich identifiziert ("Basis" bedeutet: mehr als 50%.
AUSDRÜCKLICH nicht gemeint sind hochgoldhaltige Legierungen mit wenigen Prozent (2% bis 4%) Palladium!). Es sind jedoch
nicht die Hauptbestandteile Gold (40% bis 60%), Palladium (40% bis 60%) und Silber (0 bis 25%), die auf Zahnfleisch und Kieferknochen
giftig wirkt, sondern die Legierungszusätze Indium (0% bis 10%), Gallium (0% bis 4%) und gelegentlich Kupfer!
Diese Zusätze werden den Legierungen
beigefügt, damit sie bei hohen Temperaturen oberflächlich ein wenig oxidieren ("verzundern"): Diese Oxidschicht ist Voraussetzung
dafür, dass die Keramikverblendung daran haftet - an reinem Gold oder Platin haftet keine Keramik!
Wo treten Korrosionsprobleme auf: - bei Wurzelschrauben - Kronenränder in der Zahnfleischtasche - im Zwischenraum der Teleskopkronen - am Keramik-Verblendungsrand (nicht entfernte Haftoxide) - verschraubte Kronen auf Implantaten |
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Material- Testungen |
Falls Sie Goldarbeiten im Mund haben, die Ihnen unerklärliche Zahnfleischprobleme, Zungenbrennen oder Metallgeschmack bescheren, obwohl sie laut Angaben des Zahntechnikers aus hochwertigen Legierungen bestehen, wäre es hilfreich, die Zusammensetzung des Metalls zu kennen. Anders als viele glauben, ist das problemlos ohne grössere Beschädigung und zu einem erschwinglichen Preis möglich. Beim "energiedispersiven Röntgenmikroverfahren" (EDX-Analyse) reichen kleinste Stäubchen für eine genaue Analyse, die in den meisten Fällen sogar die Legierung identifizieren lässt. Dazu werden mit einem kleinen metallfreien Schleifkörperchen ein paar Metallspuren auf der Rückseite der Krone abgetragen und gegen eine Art Tesafilm "gesprüht", der dann zur Analyse eingeschickt wird. Die rauhe Stelle lässt sich anschliessend problemlos polieren. Man kann als Zahnarzt sogar gezielt lot-verdächtige Stellen überprüfen (Gold-Lote enthalten oft eine ganze Menge ungesunder Metallzusätze). Aus eigener Anschauung kann ich sagen, dass damit problemlos Metallverunreinigungen (Einschmelzen von Altgold), minderwertige Lote und goldreduzierte Legierungen nachweisbar sind. Bisher habe ich damit fast immer die Ursache der Beschwerden gefunden.
Diese EDX-Analysen werden z.B. von der Beratungsstelle für zahnärztliche Materialfragen (BZM) am Zentrum für Zahnmedizin der Universität
Basel durchgeführt. |
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Konsequenzen für Sie |
1. Vergessen Sie Potential-Messungen!
2. Vergessen Sie "Bitte kein Palladium!"
3. Vergessen Sie "Bitte nur hochwertige Goldlegierung!"
4. Haben Sie keine Angst wegen Ihrer bisherigen Goldarbeiten! |