K  O  R  R  O  S  I  O  N  


(Lochfrass an Seifenspender durch Spaltkorrosion)

Übersicht


Vorwort

Wohl über keinen anderen Themenkomplex in der Zahnmedizin gibt es dermassen viele Vorurteile wie über die korrosiven Vorgänge im Mund. Im allgemeinen herrschen folgende Meinungen vor:
- Gold ist gut und korrosionsbeständig
- Amalgam korrodiert stark
- zwei verschiedene Metalle im Mund bilden eine Batterie, die die Korrosion verstärkt
- Goldbeschichtungen verbessern die Lebensdauer von Stahlprothesen
Alle diese Meinungen sind falsch, und zwar nicht nur ein bisschen, sondern total.

Anders als bei meinen anderen Web-Seiten, die nur eine Zusammenschau aktueller Forschungsberichte verschiedenster Autoren darstellen, gebührt hier einem Mann ausserordentlicher Dank, der seit vielen Jahren unermüdlich auf diesem Gebiet forscht und vor allem seine Forschungsergebnisse nicht an das öffentliche Wunschdenken anpasst. Dies ist heute ziemlich selten geworden. Kaum jemand versucht wie er, dem Amalgam oder dem Palladium zugeschriebene schädliche Wirkungen akribisch zu analysieren und die wahren Übeltäter zu finden.
Der Autor der meisten hier zitierten Untersuchungsergebnisse ist Prof. Dr. Jakob Wirz vom Institut für Zahnärztliche Werkstoffwissenschaft und Technologie in Basel (Schweiz). Obwohl ich ausdrücklich zugebe, dass ich seine gegenüber populistischen Gedanken unnachgiebige Art verehre, ist das nicht der Grund, warum auf dieser Seite fast ausschliesslich er zitiert wird - es gibt kaum andere Wissenschaftler, die auf diesem Gebiet in dieser Tiefe forschen.

Es hat einfach Hand und Fuss, wenn er als Nebenergebniss einer Untersuchung findet, dass Korrosionsprobleme mit Metall-Wurzelschrauben und -stiften bei Aufbaufüllungen mit Amalgam etwa 10x weniger auftreten als bei Aufbauten aus anderen Zementen - was ziemlich klar die Vorstellung von der "Batterie" durch zwei verschiedene Metalle über den Haufen wirft, was aber andererseits heute keiner hören will (auch unsere Bundesregierung hat die Verwendung von Amalgam für Stumpfaufbauten ausdrücklich untersagt - aus wissenschaftlicher Erkenntnis???). Die Erklärung ist übrigens einfach: Bei anderen Zementen treten 10x häufiger Spalten auf, was zu Spaltkorrosion führt - Erklärung siehe unten.
Ich hoffe dass ich Ihnen durch den folgenden Text genug Wissen und Mut geben kann, sich von den durch die "öffentliche Meinung" wabernden Gedankenfetzen und Vorurteilen zu lösen, obwohl das Kraft braucht - auch für Zahnärzte, denen von der Dentalindustrie ständig eingeredet wird, Gold sei das einzig Senkrechte in der Zahnmedizin... und ich muss auch zugeben, dass ich selber ebenfalls Mühe mit den Forschungsergebnissen habe.


Einleitung

Meistens wird angenommen, zwei verschiedene Metalle im Mund würden zusammen mit dem Speichel eine "Batterie" bilden, durch die sich dann Metall-Ionen lösen, die widerum giftig wirken, vor allem Palladium- und Quecksilber-Ionen.

Das ist erstaunlicherweise jedoch vollkommen falsch. Die dabei überhaupt entstehende Spannung (im Bereich unter 800 mV) ist zu gering, um galvanische Vorgänge im Mund auszulösen.

In kleinsten Spalten, z.B. am Kronenrand in der Zahnfleischtasche, kann die Chemie jedoch dermassen aggressiv werden, dass selbst "hochgoldhaltige" Legierungen, die als das Beste in der Zahnmedizin gelten, mühelos durch Spaltkorrosion zerfressen werden - auch ohne das Mitwirken eines anderen "unedleren" Metalls.

Die dabei freiwerdenden Metall-Ionen wirken unterschiedlich giftig, meistens sind es jedoch die Legierungszusätze, die schwere örtliche Gewebeschäden (Zahnfleischentzündungen, Knochenabbau) hervorrufen und weniger die Hauptbestandteile wie Palladium und Gold.


Die "Batterie"
(Galvanisches
Element)

Wenn Sie zwei verschiedene Metalle im Mund haben, entsteht zwischen ihnen ein kleine Spannung, die zu einer ständigen langsamen Auflösung führen würde. Wie kann dann überhaupt ein "unedles" Metall im Mund beständig bleiben, wenn z.B. eine Goldkrone dazukommt? Die Erklärung liefert das weitere Verhalten der Metalle im Mund: Sie "passivieren" sich, d.h. überziehen sich mit einer Oxid-Schicht (oder ähnlichem). Dadurch verändert sich das Verhalten des unedlen Metalls und es wird elektro-chemisch/-physikalisch wie ein Edelmetall.
Quelle: Wirz, Jungo, Schmidli; Zahnärztliche Materialien und Werkstoffe auf dem Prüfstand, Quintessenz 47, 6, 837-846 (1996)

Die Passivierungsschicht ist sehr dünn, aber widerstandsfähig. Trotzdem ist es leicht möglich, sie mit den Messssonden eines Spannungs-Messgerätes (oder eines speziellen "Potential"-Messgerätes) durchzukratzen und Ihnen "gefährliche" Spannungen vorzuführen. Das ist m.E. Humbug und möglicherweise mehr eine "verkaufsfördernde" als eine echte diagnostische Massnahme. Was passiert wirklich? Sowie der Kratzer im Amalgam sich selbst überlassen bleibt, passiviert er sich wieder...
Davon abgesehen: Der Speichel wäre sozusagen das Elektrolyt der Batterie, nicht der Kurzschluss! Erst wenn Sie eine Strombrücke schaffen, fliesst Strom. Das passiert also erst
- wenn man auf Metallfolie (Stanniol) beisst
- wenn man ein Messgerät anschliesst
- wenn man mit frischen Amalgamfüllungen auf Goldkronen beisst.

Sie kennen alle zwei alltägliche Beispiele für die oben erwähnten sehr beständigen Schutzschichten auf unedlen Metallen - Ihr Auto und Ihre Türgriffe:

Chrom - Chrom ist so "unedel", dass es sich an der Luft sofort mit einer dünnen Oxid-Schicht überzieht, so dünn, dass sie durchsichtig ist. Beim Auftreten von Mikrorissen innerhalb der Chroms passiert nicht viel, die Schutzschicht ist sozusagen "selbstheilend". Erst wenn ein Riss bis zum darunterliegenden Eisen reicht, kann diese trotzdem rosten, das Chrom blättert dann ab. Verchromen im Mund wäre schön, leider sind Chrom-Ionen auch in kleinen Mengen giftig. Ein Beispiel für das "Versagen" einer Verchromung finden Sie weiter unten unter "Beschichtungen".
Aluminium / Eloxal - auch Aluminium passiviert sich sofort. Beim "Eloxal" wird die Oxid-Schicht jedoch elektrochemisch so verstärkt, dass sie einen wirklich dauerhaften Schutz bietet. Aluminiumoxid-Schichten sind jedoch gegen Spaltkorrosion (siehe unten) absolut unbeständig.

Mir persönlich ist nur eine Situation im Mund bekannt, die mit galvanischen Strömen zu tun hat: Feingold gepaart mit alten sogenannten Gamma-2-Amalgamen. Diese Amalgame, die heute praktisch nicht mehr verwendet werden und die in einigen Ländern (z.B. Österreich) verboten worden sind, haben sich als nicht sehr korrosionsbeständig erwiesen. Aus ihnen löst sich vor allem - Zinn. Dieses Zinn schlägt sich als schwarzer Film auf Goldkronen aus weichem hochkarätigen Goldblech nieder (sog. Ring-Deckel-Kronen wie sie früher gefertigt wurden). Dieser schwarze Film kann problemlos wegpoliert werden - er ist kein Beweis für besondere Goldkorrosion oder Quecksilberfreisetzung: Das Quecksilber bleibt in den Gamma-2-Amalgamen weiterhin enthalten. Seine nun prozentual ansteigende Konzentration bewirkt, dass das Amalgam weicher wird und anfängt, sich an den Rändern hochzubiegen.
Wie gesagt: Diese Füllungen sind nur noch so selten im Mund anzutreffen, dass sie schon fast eine "Antiquität" darstellen.


Quelle: Dettlaff, Gesundheitliche Belastung durch dentale Metalle, DFZ 9/1997,52-66
Irrtümlich als "Goldkronen mit deutlichen Korrosionsspuren" beschrieben -
ziemlich sicher handelt es sich jedoch um Zinnablagerungen (Pfeil) auf Goldkronen älterer Bauart


Das
Lokal-Element

Eine glatte, offen liegende Fläche einer korrosionsbeständigen Metall-Legierung ist im Mund praktisch unzerstörbar - die sich bildende Passivierungsschicht verhindert den Austritt von Metall-Ionen aus der Oberfläche.
Unter besonderen Umständen kann jedoch das "Milieu" im Speichel so aggressiv werden, dass selbst hochgoldhaltige Legierungen angegriffen werden und korrodieren. Dies passiert in schmalsten Schlitzen und Spalträumen:

Bei der Spaltkorrosion (oder "Lochfrass") kommt es zu Sauerstoffmangel in der Flüssigkeit in mikroskopisch kleinen Ritzen. Dadurch wird die Flüssigkeit im Spalt stark sauer. Die jetzt im Überschuss vorhandenen Wasserstoff-Ionen "bedienen" sich der Chlorid-Ionen aus dem Kochsalz (das im Organismus überall vorkommt) und bilden Salzsäure. Das Gleichgewicht zwischen Oxidation und Reduktion (vereinfacht: "Oxid-Auflösung") verschiebt sich stark zum letzteren hin, die Passivierungsschicht wird angegriffen und löst sich auf. (Zusätzlich entsteht eine elektrische Spannung zwischen der Glattfläche und der Oberfläche im Spalt - es bildet sich lokal (örtlich) ein Element (Batterie) mit nur einem Metall - daher der Name "Lokalelement").

Die Flüssigkeit im Spalt ist dermassen aggressiv, dass sie jede (auch die besten!) Goldlegierung angreift. Erstaunlicherweise sind im Gegensatz dazu Titan und gut verarbeitete Kobalt-Basislegierungen so widerstandsfähig, dass sie auch keine Spaltkorrosion erleiden.


Durch Korrosionsprodukte dunkel verfärbte Teleskopkronen aus hochwertiger Goldlegierung.
Es gibt keine Teleskopkronen, die nach längerer Tragezeit innen noch glänzend golden aussehen!
Quelle: Wirz, Schmidli, Jäger; Probleme mit Edelmetallegierungen, Quintessenz 48, 6, 827-837 (1997)


Beschichtungen

Aus der Technik sind eine Reihe von Beschichtungen bekannt, die die Haltbarkeit von Werkstücken erheblich verlängern:
- vergoldete Messing-Schmuckstücke
- Titan-Nitrid-beschichtete Werkzeuge
- verchromte Zierleisten beim Auto
- verzinkte Strassenlaternenmasten
Natürlich hat das auch die zahnmedizinische Forschung auf den Plan gerufen:

Zunächst wurden Stahlprothesen vergoldet (selten auch Stahlkronen - heute vor allem in der "2½.ten" Welt: aufstrebenden Ländern wie z.B. Indien), speziell bei Allergikern. Damals hat man noch nicht geahnt, dass man damit (die Goldschicht bekommt Risse » Spaltkorrosion siehe oben!) die Korrosion und die Metallionen-Belastung für das Mundgewebe erst richtig ermöglicht! Nach heutigem Wissenstand ist das Vergolden von Zahnersatz nicht angebracht - vergessen Sie alle Ihre geheimen Wünsche ("... würde doch besser aussehen...").

Nach der "Entdeckung" des Titans für die Zahnmedizin wurde auch die bei Werkzeugen angewendete Titannitrid-Beschichtung im Mund erprobt: Leider ohne Erfolg. Im Gegenteil: Auch hier schafft man durch die rissige Schicht erst die Spalten, die die Korrosion von sonst fast unzerstörbaren Kobalt-Legierungen (fälschlich "Stahl" genannt - sie enthalten kein Eisen!) unabdingbar hervorrufen!


Beschichtung und Kobalt-Legierung (Biosil F bzw. Biosil H), durch Lochfrass schwer beschädigt (Vergrösserung 700x).

Korrosion unter TiN-Schicht: freigelegte Nickel-Basislegierung, deutlich unter den Rissen angegriffen (Vergrösserung 800x).
Quelle: Wirz, Schmidli; Titannitridbeschichtung prothetischer Werkstücke, Quintessenz 47, 5, 681-691 (1996)

Die durch die Korrosion verloren gehende Menge an Metall ist übrigens wahrhaft beachtlich: In einem dreimonatigen Thermozyklus (sozusagen verschärfte Versuchsbedingungen) verlor der Prüfkörper 2% seines Gewichts! Dem entspricht der rasante Eintritt der Patientenbeschwerden: starkes Brennen an Zunge und Schleimhaut nur einen Monat nach Eingliederung der Prothese.

Die Verchromung von Kronen ist leider keine Alternative, weil Chrom-Ionen ziemlich giftig sind.


Mit Chrom beschichtetes Seifenspender-Röhrchen aus Messing.
Schwere Spaltkorrosion nach 10 Jahren Benutzung mit hautfreundlicher Flüssigseife, manche Löcher gehen bis ins Innere.
Ohne Chrombeschichtung wäre das Rohr vermutlich noch intakt (wenn auch unansehnlich)

Die Verzinkung von Eisenblechen ist eine beabsichtigte "Opferung" eines unedlen Metalls, um ein anderes zu schützen. Es ist medizinisch nicht zulässig, z.B. Eisen-Kronen zu verzinken, wodurch sich grosse Mengen Zink im Mund lösen würden.

Es gibt bis heute keine Beschichtung, die im Mund mehr nützt als schadet!!!


Auswirkungen
der
Korrosion

In den Löchern der Spaltkorrosion wird die Legierung vollständig aufgelöst. Mit Mikroanalysen lässt sich nachweisen, dass die Metallionen-Häufigkeit im angrenzenden Zahnfleisch von der Verteilung her genau der Legierung entspricht. Es ist also nicht so, dass sich nur die "unedlen" Bestandteile lösen.
(Ausnahme: Bei früheren sogenannten "Gamma-2-Amalgamen" {Achtung nicht verwechseln mit den heutigen "Non- Gamma-2-Amalgamen"!} löste sich das unedle Zinn, das "edle" Quecksilber blieb in der Füllung, worauf diese im Lauf der Jahre weich wurde - auch das wollen Amalgam-Gegner nur sehr ungern hören.)

Die verschiedenen Metall-Ionen wirken höchst unterschiedlich. Bekannt ist die schädliche Wirkung von Nickel-Ionen. Relativ schnell wurden auch Palladium-Basis-Legierungen als schädlich identifiziert ("Basis" bedeutet: mehr als 50%. AUSDRÜCKLICH nicht gemeint sind hochgoldhaltige Legierungen mit wenigen Prozent (2% bis 4%) Palladium!). Es sind jedoch nicht die Hauptbestandteile Gold (40% bis 60%), Palladium (40% bis 60%) und Silber (0 bis 25%), die auf Zahnfleisch und Kieferknochen giftig wirkt, sondern die Legierungszusätze Indium (0% bis 10%), Gallium (0% bis 4%) und gelegentlich Kupfer! Diese Zusätze werden den Legierungen beigefügt, damit sie bei hohen Temperaturen oberflächlich ein wenig oxidieren ("verzundern"): Diese Oxidschicht ist Voraussetzung dafür, dass die Keramikverblendung daran haftet - an reinem Gold oder Platin haftet keine Keramik!
Wenn Sie irgendwo hören oder lesen, dass Palladium schlecht sei, überprüfen bitte zunächst, ob Palladium-Basis-Legierungen gemeint waren. Und diese sind nur "schlecht" wegen der nötigen Zusätze, nicht wegen des Palladiums!
Eine Hersteller-Erklärung à la "biologisch unbedenklich" bzw. "biologisch getestet" ist nach Prof. Wirz bei Palladium-Basis-Legierungen und bei goldreduzierten Legierungen bedeutungslos!

Wo treten Korrosionsprobleme auf:
- Erstaunlicherweise bei Frauen 3x bis 4x öfter als bei Männern
- ab dem 40.ten Lebensjahr (Beginn von komplexem Zahnersatz)

- bei Wurzelschrauben
- Kronenränder in der Zahnfleischtasche
- im Zwischenraum der Teleskopkronen
- am Keramik-Verblendungsrand (nicht entfernte Haftoxide)
- verschraubte Kronen auf Implantaten


Material-
Testungen

Falls Sie Goldarbeiten im Mund haben, die Ihnen unerklärliche Zahnfleischprobleme, Zungenbrennen oder Metallgeschmack bescheren, obwohl sie laut Angaben des Zahntechnikers aus hochwertigen Legierungen bestehen, wäre es hilfreich, die Zusammensetzung des Metalls zu kennen. Anders als viele glauben, ist das problemlos ohne grössere Beschädigung und zu einem erschwinglichen Preis möglich.

Beim "energiedispersiven Röntgenmikroverfahren" (EDX-Analyse) reichen kleinste Stäubchen für eine genaue Analyse, die in den meisten Fällen sogar die Legierung identifizieren lässt. Dazu werden mit einem kleinen metallfreien Schleifkörperchen ein paar Metallspuren auf der Rückseite der Krone abgetragen und gegen eine Art Tesafilm "gesprüht", der dann zur Analyse eingeschickt wird. Die rauhe Stelle lässt sich anschliessend problemlos polieren. Man kann als Zahnarzt sogar gezielt lot-verdächtige Stellen überprüfen (Gold-Lote enthalten oft eine ganze Menge ungesunder Metallzusätze).

Aus eigener Anschauung kann ich sagen, dass damit problemlos Metallverunreinigungen (Einschmelzen von Altgold), minderwertige Lote und goldreduzierte Legierungen nachweisbar sind. Bisher habe ich damit fast immer die Ursache der Beschwerden gefunden.

Diese EDX-Analysen werden z.B. von der Beratungsstelle für zahnärztliche Materialfragen (BZM) am Zentrum für Zahnmedizin der Universität Basel durchgeführt.
In Deutschland werden diese Analysen durchgeführt z.B. von
(d.h. Ihr Zahnarzt muss die Goldstaub-Probe dorthin schicken - Schleifkörper und "Tesa" erhält er von dort):
Dr. M. Borchmann
Kolpingstr. 7
49196 Bad Laer
Eine Analyse kostet etwas über 200 DM.


Konsequenzen
für Sie

1. Vergessen Sie Potential-Messungen!
Sie sind eine bedeutungslose Spielerei. Es ist nicht so: Ein bisschen Spannung = ein bisschen Korrosion und viel Spannung = viel Korrosion. Vielmehr lösen sich Metall-Ionen auf galvanische Weise ("Mundbatterie") erst bei einer so hohen Spannung wie sie normalerweise im Mund nie erreicht wird! Aussagen wie "ab 600 Millivolt wird es kritisch" usw. sind bedeutungslos; wegen der geringen Dicke der isolierenden Passivschicht sind die Messergebnisse ohnehin nicht wiederholbar: 10 Messungen = 10 verschiedene Ergebnisse.

2. Vergessen Sie "Bitte kein Palladium!"
Neben der Amalgam-Diskussion sind Zahnärzte am meisten genervt durch die Palladium-Diskussion, vor allem wenn der Zahnarzt Legierungen verwendet, die zu 98% aus Gold und Platin und nur zu 2% aus Palladium (zur Verbesserung der Materialeigenschaften) bestehen... Wenn Sie einen fundierten Wunsch äussern wollen, dann sagen Sie bitte: "Bitte a) keine Palladium-Basis-Legierung, b) keine goldreduzierte Legierung, und c) bitte eine Legierung ohne Indium, Gallium, Nickel und höchstens Spuren von Kupfer".
Selbstverständlich liegt die Wahl einer geeigneten Legierung in den Händen Ihres Zahnarztes, andererseits lassen die fundierten Untersuchungsergebnisse von Prof. Wirz eigentlich kaum Toleranz zu. Falls Sie aufgrund seiner Empfehlung Ärger mit Ihrem Zahnarzt bekommen würden, könnte ich ihm und Ihnen gerne meine Quellen genau darlegen.

3. Vergessen Sie "Bitte nur hochwertige Goldlegierung!"
Vielen Zahnärzten ist aufgefallen, dass Kronen aus "Stahlblech" (Kobalt-Basislegierungen) erstaunlicherweise keinerlei Zahnfleisch-Entzündungen hervorrufen. Falls Ihnen nun Ihr Zahnarzt eine Keramikkrone mit Stahlgerüst vorschlägt, denken Sie nicht, er wolle Ihnen etwas Minderwertiges andrehen. Das gleiche gilt für Titan-Kronen.
Der Grund, warum ich nicht generell Gold verteufele, ist einfach: Es kommt auf die Verarbeitung und die Passgenauigkeit an. Kein Spalt = keine Korrosion, und leider sind Kobalt und Titan erheblich schwerer zu verarbeiten. Ein nicht passgenaues Kobalt-Inlay ist einem Traum-Goldinlay haushoch unterlegen. Ihr Zahnarzt wird wissen, mit welchem Material er bessere Ergebnisse erzielt.

4. Haben Sie keine Angst wegen Ihrer bisherigen Goldarbeiten!
Wie oben erwähnt, sind selbst hochwertige Goldlegierungen nicht beständig gegen Spaltkorrosion. Aber eben gegen Spaltkorrosion! Gut gearbeitete Goldinlays und -kronen (ohne Spalt) können 30 Jahre halten!
Auf der anderen Seite gibt es Situationen, in denen man mit Kompromissen leben muss: Manchmal haben Teleskopkronen soviele Vorteile gegenüber anderen Lösungen, dass man den Nachteil des durch die Metallionen ständig etwas entzündeten Zahnfleisches hintenan stellen muss.